Wie du es schaffst, nach Rückschlägen stärker wieder zurück zu kommen

03.11.2016

Viele von euch werden die Situation kennen, die ich im Folgenden schildere.

Du bist ambitionierter Sportler, oder sogar Leistungssportler. Deine Saison läuft grandios. Du bist motiviert bis in die Haarspitzen und noch darüber hinaus. Du brennst jeden Morgen innerlich und freust dich wie ein kleines Kind, wieder deine Trainingseinheiten abspulen zu können und dich so richtig auszupowern. Am Abend fällst du tot müde, aber auch überglücklich ins Bett. Du bist stolz auf dich, auf deinen Körper und auf deinen Willen, das Training fokussiert durchgezogen zu haben.

Doch dann… ein Stechen im Knie, ein Pochen im Fuß, das Zwicken im Rücken, oder sogar das Auto von rechts, dass dich auf dem Rad sitzend übersieht… du liegst benebelt voller Schmerz im Straßengraben.

Manchmal bahnen sich die Dinge langsam, mit immer lauter werdenden Schritten an. Du ignorierst das Zwicken, den leichten dumpfen Schmerz. Der Kopf sagt: „Wird schon nicht so schlimm sein.“ oder „Das ist morgen wieder weg.“ Und manchmal macht es von einer auf die anderen Sekunde „Peng“ und deine Welt steht Kopf. Nichts ist mehr, wie es vorher war.

Plötzlich stehst du vor einem Problem, das du die ganze Zeit nicht hattest.

Du kannst dein Hobby, deine Leidenschaft, dein Ausgleich zum Alltag nicht mehr ausüben.

Du bist verletzt !

Du rennst von einem Arzt zum nächsten. Hoffst auf die Wunderheilung, um morgen wieder schmerzfrei durchstarten zu können. Doch bei allen Terminen und Begegnungen mit Spezialisten und Experten wirst du, mit GEDULD haben, vertröstet. Dazwischen liegen etliche Behandlungen, sei es konservativ oder gar operativ, manchmal auch verbunden mit einem Krankenhausaufenthalt, anschließende wochenlange Reha und Physiotherapie.

Die Stimmung in dir selbst schlägt, durch den Einschnitt, recht schnell zum Negativen um.

Als Wettkampfsportler/Leistungssportler warst du mental stark wie ein Bär. Du wusstest, was du drauf hast und was du fähig bist zu leisten. Doch plötzlich wirst du sozusagen von deinem Körper enttäuscht. Er funktioniert nicht mehr. Er meckert. Er kapituliert.

Du fällst in ein tiefes Loch- mental. Du lässt die letzten Wochen und Monate Revue passieren, fragst dich nach dem Warum? Wieso? Weshalb? und welche Fehler du gemacht hast, oder welche Anzeichen du übersehen hast.

Die Grübelei lässt dich nicht mehr los. Du liegst nachts schlaflos in deinem Bett. Sehnst dich einerseits, wieder der Alte/die Alte zu sein… ohne diese erbärmlichen Wehwehchen. Andererseits willst du es anpacken und eine Lösung für deine Probleme finden. So kann das nicht auf Dauer weiter gehen. Es muss was passieren. Und zwar schnell.

Und? Wer findet sich in der geschilderten Situation wieder? Mit Sicherheit doch einige… würde ich jetzt mal behaupten.

Nun die Frage aller Fragen: Wie um alles in der Welt schaffe ich es durch dieses Tief hindurch, ohne dabei den Glauben an mich selbst zu verlieren? Und wie kann ich es auch noch schaffen, den Rückschlag als Möglichkeit zu sehen und stärker denn je, wieder zurück auf die Wettkampf-Bühne zu treten?

Im folgenden Beitrag habe ich einige Dinge festgehalten, die ich gelernt und mitgenommen habe, als ich selbst mehrfach Rückschläge einstecken musste.

Wie einige von euch wissen, musste ich mich, nach meiner sportlich besten Triathlon-Saison unters Messer legen und mein Knie operieren lassen. Insgesamt war ich zuvor bei fünf Ärzten, um herauszufinden, wo mein Problem lag. VIER davon schickten mich mit den Worten „…da ist nichts. Mach halt keinen Sport mehr.“, wieder nach Hause. Zwischendurch hatte ich die gesamte konservative Palette an Therapie durchprobiert. Von Physio, über Tabletten, über Spritzen ins Knie, bis es am Ende derart schlimm wurde, dass ich kaum noch gehen konnte.

Ich fuhr letztlich nach Karlsruhe zu einem weiteren Arzt (der fünfte nun schon), und stellte mich dort erneut vor. Eine Woche später lag ich bei ihm auf dem OP-Tisch. Als er nach der OP direkt zu mir kam, mit den Worten „Kein Wunder, dass du bei dem Befund Schmerzen hattest!“, war ich doch tatsächlich erleichtert. Ich weiß, es hört sich komisch an, aber ich dachte bis zu diesem Tag, ich sei ein Hypochonder und bilde mir mittlerweile alles nur ein. Die Schmerzen, die Beule am Knie und dass ich mein Knie nicht mehr bewegen kann… Und alles nur, weil vier andere Ärzte mir versucht hatten, dies einzureden, um von ihrer fachlichen Inkompetenz abzulenken.

Was ich damit sagen will, ist, dass ich hier aus eigener Erfahrung spreche und die folgenden Tipps auf Grundlage meiner eigenen Rückschläge festgehalten habe.

Ich brauchte lange, um dorthin zu kommen, wo ich jetzt wieder bin, aber du kannst es genauso schaffen.

Hier sind ein paar Tipps für dich, wie du Rückschlägen entgegentreten kannst und die aktuelle Situation dennoch positiv angehen kannst.

  1. Hör’ auf die Frage nach dem ‘Warum?’ zu stellen!

    Warum passiert mir das?“, „Warum ausgerechnet jetzt?“, „Warum passiert den anderen nie sowas?“, „Warum bekomme ich jetzt erst Probleme, und nicht schon viel früher?“…..etc. Fragen über Fragen. Wer kennt’s nicht!? Ganz ehrlich, vergeude nicht deine Zeit!!!

    Wer (?) um alles in dieser Welt, soll dir diese Fragen bitte ehrlich beantworten? Kurz und knapp, es gibt niemanden ! Du wirst nie eine Antwort erhalten, also hör’ auf damit, dir diese Fragen überhaupt zu stellen. Grübeln, was, wie sein könnte, und warum, wieso, weshalb, sind alles nur Spekulationen. Am Ende bist du nicht schlauer als vorher, aber du hast wertvolle Zeit und Energie in das falsche Thema gesteckt.

    Nicht Grübeln ! Abhaken, und die Situation annehmen, auch wenn sie nicht schön ist.

    IMG_3114

  2. Gib’ dir selbst ein paar Tage Zeit…

    um alles erstmal zu verarbeiten. Du wurdest von einer Situation in die nächste geschleudert, vom aktiven Sportlerlifestyle zum gezwungenen Couch-Potatoe. Gönn’ dir eine Auszeit und lass das alles erstmal sacken. Versuch die Tatsachen zu akzeptieren, auch wenn es gerade sehr schwer fällt, und denke positiv über die Zukunft. Führe dir vor Augen, was für tolle Momente du bisher erlebt hast, als du zum Beispiel über die Ziellinie eines dir wichtigen Wettkampfes, gelaufen bist. Nimm dir diesen Glücksmoment als Ziel für die Zukunft und ziehe neue Kraft daraus, wieder zu alter Stärke zurück zu finden um genau diesen Moment wieder zu erleben.

  3. Setze dich nicht selbst unter Druck !

    Die Ungeduld hat in solch einer Phase häufig die Überhand. Wir wollen so schnell wie möglich wieder gesund sein und ins Training einsteigen. Jeder Tag, den du nicht deinem Sport/Hobby widmen kannst, ist für dich ein verlorener Tag. Du bist unausgeglichen, weißt nicht, was du mit so viel Zeit am Tag alles anfangen sollst. Eigentlich willst du doch gar nichts anderes als durch den Wald rennen, mit Freunden auf dem Rad über die Straße/Wald heizen oder gar im Fitnessstudio die Gewichte stemmen, bis die Muskeln brennen. Du achtest permanent darauf, ob die Schmerzen minütlich schon besser geworden sind, die Schwellung einen Millimeter zurückgegangen ist, oder die Narben schon eine Wunderheilung erfahren haben und man die Fäden vielleicht doch schon frühzeitiger ziehen kann. Hör’ auf damit! Mach dich nicht verrückt! Der Heilungsprozess dauert eben so lange, wie er dauert. Der Körper ist keine Maschine, bei dem man ins Ersatzteilelager geht und einfach ein Teil austauscht, wenn es nicht mehr funktionsfähig ist. Such dir lieber Mittel und Wege, wie du den Heilungsprozess positiv unterstützen kannst, oder du dir einfach selbst etwas Gutes für deine Seele und dein Gemüt tun kannst. Schalte einfach mal den Kopf ab und akzeptiere, dass es ein, manchmal kürzerer, manchmal längerer Prozess ist, den du durchmachen musst, um wieder zur Ursprungsform zurück zu gelangen.

  4. Hör’ auf dich mit anderen (Sportlern) zu vergleichen!

    Das gilt für jeden Bereich im Leben, nicht nur im Sport. Schaue nicht zu viel nach links und nach rechts. Das wird dir auf Dauer nicht guttun. Du siehst dabei die „anderen“, die ohne Probleme ihr Ding machen können, die eine Bestzeit nach der anderen raushauen, bei denen es so scheint, als wären sie unkaputtbar und einfach eine „Maschine“. Die Gefahr ist dabei groß, dass du dadurch zu sehr ins Grübeln kommst und Punkt Nummer 1 die Überhand gewinnt. Du wirst natürlich anfangen dir viele Warum-Fragen zu stellen…

    Mein kleiner Tipp an dieser Stelle: Verbringe nicht zu viel Zeit in Social Media. Dort werden am laufenden Band Trainingsbeiträge gepostet und Race-Berichte hochgeladen, umschmückt mit faszinierenden Bildern und Dankesreden an all die Sponsoren und Unterstützer. Solche Beiträge zu lesen, fühlt sich doch für jeden verletzten Sportler an, wie ein Stich ins Herz. Macht dir das Leben nicht noch schwerer, wie es eh gerade ist. Vergleiche dich nicht mit ihnen und mache dein Ding!

  5. Know your history !

    Kenne deine Geschichte und somit deine Vergangenheit. Führe dir vor Augen was du schon alles erreicht hast und ziehe aus diesen Momenten neue Kraft für die Zukunft. Du wirst auch diese schwierigere Phase meistern, und kannst stolz auf dich sein, dass du dich wieder zurückgekämpft hast. Deshalb, kenne deine Geschichte, sei stolz und mach einfach weiter !

  6. Nutze die Zeit um dich persönlich weiterzuentwickeln.

    Der Kopf spielt in einer Phase, in der du viele Rückschläge einstecken musst, eine sehr wichtige Rolle. Negatives Denken beeinflusst auch den Genesungsprozess negativ, das ist wissenschaftliche mit Studien belegt. Versuche die Zeit, die du nicht mit Training verbringen kannst, so zu nutzen, dass dein Kopf etwas zu arbeiten hat. Such dir Athleten, die dich inspirieren, halte Ausschau nach Literatur, die dich motiviert, und arbeite an deinem Denken. Wenn du es schaffst, mentale Stärke aufzubauen, mit positiven Gedanken durchs Leben zu gehen und du einfach nur glücklich darüber sein kannst, dass du „nur“ dieses kleine Problem mit dir herumtragen musst (es hätte duchaus auch schlimmer kommen können), dann wirst du stärker aus dieser Zeit hervortreten, wie du hineingetreten bist.

  7. Ändere nicht dein Ziel, sondern lege dir einen neuen Weg zurecht, der dich dorthin bringt.

    Deine Ziele sind vorerst zerplatzt. Du befindest dich in einer Phase des Stillstandes, der dir gar nicht passt. Deine Mühen sind vergebens und deine Ziele sind in weite Ferne gerückt. Dein Vorhaben droht zu zerplatzen. wenn-das-leben-dir-eine-knallt

    Denkst du ! Wäre ja schön sch****, wenn es so wäre.

    Wie sagt man doch so schön: „Viele Wege führen nach Rom.“ Und so ist es auch gerade bei dir. Du hast dein Ziel, das du leider nicht in der Weise erreichen wirst, wie du es geplant hast. Wo kämen wir aber hin, wenn du deine Ziele deswegen streichen würdest? Behalte dein Ziel fest im Auge. Du wirst es schaffen. Eben nicht mit dem Plan, den du die ganze Zeit hattest. Du warst so stark fokussiert, auf diesen einen Weg… Nur dieser Weg ist nun leider versperrt. Kleiner Tipp: Raus aus dem Tunnelblick, Weichen umstellen und Plan B fahren! Das heißt ja nicht, dass Plan B schlecht ist. Der Weg wird einfach nur neu angepasst, weil auf der anderen Strecke gerade eine enorme Baustelle herrscht, die Verzögerung mit sich bringt. Vergleichbar mit einem Navigationssystem: „Die Route wird neu berechnet.“ Und manchmal kommt es sogar vor, dass die neu berechnete Route schneller oder eventuell sogar kürzer ist.

  8. Umgebe dich mit Menschen, die die Power ausstrahlen, die du auch hast.

    Mit einem negativen Umfeld und Menschen um dich herum, die nur am Jammern sind und an allem irgendetwas zu meckern haben, werden deine positiven Gedanken schnell von deren negativen Gedanken erdrückt. Du kannst gar nicht mehr positiv gestimmt sein. Solche Menschen rauben dir deine Energie und deine Zufriedenheit. Du steigerst dich mit ihnen in deren Probleme, obwohl es oft gar keine Probleme sind und nur zu Problemen werden, weil sie welche daraus machen. Lass die Leute reden, drehe dich um, und halte Ausschau nach denjenigen, die für eine Sache brennen. Nach denjenigen, die Ziele haben, und so viel positive Energie ausstrahlen, dass sie diese auch erreichen werden. ffm-squadUnterhalte dich mit ihnen über deren Pläne und Sichtweisen. Neue Sichtweisen auf die Dinge, erzeugen wieder neue Gedanken und neue Möglichkeiten mit Situationen umzugehen und Kraft zu ziehen. Lass’ dir von anderen Leuten erzählen, wie sie mit Rückschlägen umgegangen sind, wie sie sich in solch einer Phase verhalten haben und wie sie es geschafft haben, wieder glücklich zu sein und auf ihre innere Stärke zu vertrauen. Diese Begegnungen sind Gold Wert. Sie beflügeln dich und lassen dich mit breiter Brust durch den Tag gehen. Am Ende sind es immer die Erfolgreichen, die vorher oft hingefallen sind und Staub „gefressen“ haben. Sie werden zu den Erfolgreichen… weil sie gelernt haben, mit Rückschlägen umzugehen und jedes Mal neue Stärke aufgebaut haben.

    Du willst stark sein? Dann nimm die Rückschläge an und lerne aus ihnen !!!

    Ich wünsche euch allen nur das Beste, und hoffe, dass euch meine Tipps weiterhelfen, positiv in die Zukunft zu blicken. Glaubt an euch, macht euch nicht verrückt, akzeptiert die Situation ohne sie zu hinterfragen. Fokussiert euch auf euch, lasst euch inspirieren und schöpft neue Energie, um danach kraftvoll wieder durchstarten zu können !

    img_3127-1KEEP YOUR HEAD UP !

    Eure Michi

    P.S.: Alle Tipps sind natürlich auch außerhalb der sportlichen Ebene zu gebrauchen !